Was sind Hummeln?

Hummeln (Bombus) sind soziale Bienen aus der Familie Apidae. In Deutschland kommen 36 Hummelarten vor, von denen 6 als gefährdet gelten. Die häufigste Art ist die Erdhummel (Bombus terrestris) mit Kolonien von bis zu 500 Tieren.

Die Gattung Bombus umfasst weltweit rund 250 Arten, verbreitet in gemäßigten und subarktischen Zonen. Hummeln sind eng verwandt mit der Honigbiene (Apis mellifera), bilden aber wesentlich kleinere Kolonien und überwintern — bis auf die neue Königin — nicht als Volk. Das charakteristische Pelzkleid aus verzweigten Haaren dient der Thermoregulation: Hummeln können ihren Thorax durch Muskelzittern auf über 30 °C aufheizen und sind damit bei Temperaturen ab 2 °C flugfähig.

Steckbrief: Bombus terrestris (Erdhummel)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Echte Bienen (Apidae)
Gattung Bombus (rund 250 Arten weltweit)
Häufigste Art (DE) Bombus terrestris (Erdhummel)
Körperlänge Königin 20–23 mm
Körperlänge Arbeiterin 10–17 mm
Koloniegröße bis 500 Tiere
Neststandort überwiegend unterirdisch
Aktive Saison Februar–Oktober (Königin ab Februar)
Schutzstatus besonders geschützt nach §44 BNatSchG

Hummeln sind eusoziale Insekten mit drei Kasten: Königin (Reproduktion), Arbeiterinnen (Nestbau, Nahrungssuche, Brutpflege) und Männchen (Paarung). Anders als bei Honigbienen oder Hornissen stirbt das gesamte Volk am Saisonende — ausschließlich begattete neue Königinnen überwintern und gründen im Frühjahr neue Kolonien.

Das Pelzkleid variiert je nach Art erheblich in Farbe und Muster; es dient gleichzeitig als taxonomisches Bestimmungsmerkmal und als Pollentransportmedium. Die Hinterbeine tragen spezialisierte Sammelkörbe (Corbiculae), in denen eingesammelter Pollen als kompakter Klumpen transportiert wird.

Welche Rolle spielen Hummeln als Bestäuber?

Hummeln bestäuben durch Vibrationsbestäubung (Buzz Pollination) Pflanzen, die Honigbienen nicht erreichen können. Dazu gehören Tomaten, Auberginen und Paprika. Der wirtschaftliche Wert der Hummelbestäubung in der EU wird auf über 40 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Buzz Pollination (Sonication) ist ein Bestäubungsmechanismus, bei dem die Hummel die Staubbeutel einer Blüte mit der Eigenfrequenz ihres Flugmuskels (ca. 400 Hz) in Vibration versetzt. Dieser Vorgang setzt Pollenmengen frei, die durch einfachen Blütenbesuch nicht erreichbar wären. Honigbienen besitzen diese Fähigkeit nicht — sie können Nachtschattengewächse (Solanaceae) grundsätzlich nicht effektiv bestäuben.

Kulturpflanzen, die auf Hummelbestäubung angewiesen sind oder stark davon profitieren: Tomate (Solanum lycopersicum), Aubergine (Solanum melongena), Paprika (Capsicum annuum), Heidelbeere (Vaccinium corymbosum), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und Kiwi. In der kommerziellen Tomatenproduktion werden weltweit Hummelvölker zur Gewächshausbestäubung eingesetzt — der globale Markt für Zuchthummelkolonien hat einen Wert von über 300 Millionen US-Dollar jährlich.

Hummeln sind bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv als Honigbienen: Flugaktivität beginnt ab etwa 2 °C, während Honigbienen erst ab 12–15 °C fliegen. Dieser Temperaturvorteil macht Hummeln zu unverzichtbaren Frühblütenbestäubern von März bis April — einer Phase, in der Honigbienenvölker noch keine Außenflugaktivität zeigen.

Quellen: NABU — Hummelschutz, Bundesamt für Naturschutz.

Wie erkennt man Hummelarten in Deutschland?

Die vier häufigsten deutschen Hummelarten unterscheiden sich in Pelzfarbe und Hinterleibsmuster. Zuverlässigstes Merkmal ist die Kombination aus Thoraxfärbung, Hinterleibsende und Körpergröße — Einzelmerkmale reichen selten zur Bestimmung aus.

Art Kennzeichen Häufigkeit
Bombus terrestris (Erdhummel) gelb-schwarz, weißes Hinterleibsende sehr häufig
Bombus lapidarius (Steinhummel) schwarz mit rotem Hinterleib häufig
Bombus pascuorum (Ackerhummel) rotbraun-beige, wenig kontrastreiche Zeichnung häufig
Bombus hypnorum (Baumhummel) rotbraunes Thorax-Fell, weißes Hinterleibsende zunehmend

Bei der Feldbestimmung sind folgende Merkmale in dieser Reihenfolge zu prüfen: (1) Farbe des Thorax-Fells, (2) Farbe und Muster des Hinterleibs, (3) Farbe des Hinterleibsendes, (4) Körpergröße. Königinnen sind deutlich größer als Arbeiterinnen derselben Art — eine Verwechslung verschiedener Arten ist dadurch möglich.

Kuckuckshummeln (Psithyrus) sind parasitische Arten ohne eigene Arbeiterkaste: Sie dringen in bestehende Hummelnester ein, töten die Wirtskönigin und lassen ihre Eier von den Wirtsarbeiterinnen aufziehen. Erkennungsmerkmale: weniger dichtes Pelzkleid (kaum Sammelhaare an den Hinterbeinen), breitere Flügel, kräftigerer Stachel bei den Weibchen. In Deutschland kommen 6 Kuckuckshummelarten vor; jede ist auf eine oder wenige Wirtsarten spezialisiert.

Warum sind Hummeln gefährdet?

6 der 36 deutschen Hummelarten stehen auf der Roten Liste. Hauptursachen sind Habitatverlust durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz und der Rückgang blütenreicher Magerwiesen. Bombus distinguendus und Bombus soroeensis sind in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Seit 1945 sind in Deutschland über 50 % der artenreichen Grünlandflächen verschwunden — durch Entwässerung, Intensivierung oder Aufforstung. Magerwiesen, die eine kontinuierliche Blütenversorgung von März bis Oktober bieten, sind für spezialisierte Hummelarten mit langem Rüssel (z. B. Bombus distinguendus, Bombus hortorum) unverzichtbar. Ihr Rückgang trifft langrüsselige Arten überproportional hart.

Neonicotinoide — systemisch wirkende Insektizide der Wirkstoffgruppen Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam — beeinträchtigen das Navigations- und Lernvermögen von Hummeln bei Konzentrationen, die unterhalb akuter Toxizitätsschwellen liegen. Subletale Effekte umfassen verminderte Futtersucheffizienz, reduzierte Reproduktionsleistung der Königin und erhöhte Koloniemortalität. Die EU-Kommission hat Freilandanwendungen der drei Hauptwirkstoffe 2018 verboten; Ausnahmegenehmigungen für Notfallzulassungen wurden in mehreren EU-Staaten dennoch erteilt.

Rote Liste-Status ausgewählter Arten (Deutschland, Stand BfN): Bombus distinguendus — Vom Aussterben bedroht (Kategorie 1); Bombus soroeensis — Vom Aussterben bedroht (Kategorie 1); Bombus muscorum — Stark gefährdet (Kategorie 2); Bombus humilis — Stark gefährdet (Kategorie 2). Quelle: Bundesamt für Naturschutz, Rote Liste.

Wie verhalten sich Hummeln am Nest?

Hummeln verteidigen ihr Nest deutlich weniger aggressiv als Wespen. Ein Stich erfolgt nur bei direktem Greifen oder starker Erschütterung des Nestes. Hummeln besitzen keinen Widerhaken am Stachel und können mehrfach stechen — nutzen diese Fähigkeit aber selten.

Im April sucht die überwinterte Königin einen geeigneten Nistplatz: Verlassene Mäusenester, Komposthaufen, Bodenlöcher und Hohlräume unter Gartenplatten werden bevorzugt. Die Königin gründet das Nest allein, legt erste Eier in einem selbst geformten Wachsbecher und brütet die Larven durch Körperwärme aus. Erste Arbeiterinnen schlüpfen nach ca. 4 Wochen.

Die Kolonie wächst von Mai bis August kontinuierlich. Im Hochsommer umfasst ein Erdhummelnesst 200–500 Individuen. Im September produziert die Königin Geschlechtstiere: neue Königinnen und Männchen. Nach der Paarung sterben Männchen und Arbeiterinnen; neue Königinnen suchen Überwinterungsplätze in der Erde oder unter Laubstreu. Die Altkönigin und das gesamte Volk sterben mit dem ersten Frost — das leere Nest wird nicht wiederverwendet.

Hummeln, die im Frühjahr einzeln und tief fliegend über Rasenflächen patrouillieren, sind meist Männchen auf Partnersuche — kein Verteidigungsverhalten, keine Stichgefahr. Männchen besitzen keinen Stachel.

Was tun bei einem Hummelnest?

Ein Hummelnest im Garten ist zu dulden — die Kolonie ist von April bis Oktober aktiv und stirbt nach dem ersten Frost ab. Hummeln sind nach §44 BNatSchG streng geschützt; Störung, Umsiedlung und Entfernung sind ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde strafbar.

Schritt 1 — Abstand halten. Ein Abstand von 2–3 Metern zum Nesteingang ist ausreichend. Hummeln sind deutlich weniger territorial als Wespen; sie reagieren nicht auf ruhige Beobachter oder normalen Gartenverkehr in der Umgebung.

Schritt 2 — Situation einschätzen. Nest unter einer ungenutzten Gartenbank, im Komposthaufen oder unter einer Terrassenplatte: keine Maßnahme erforderlich. Nest im direkten Zugangsbereich einer Haustür oder auf einem vielgenutzten Kinderspielplatz: Bereich temporär mit Hinweisschildern kennzeichnen, bis zur Saisonende im Oktober abwarten.

Schritt 3 — Rechtslage kennen. §44 Abs. 1 BNatSchG verbietet das Töten, Fangen, Verletzen und Stören wild lebender Tiere der besonders geschützten Arten sowie die Beschädigung oder Zerstörung ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Hummeln sind nach Anlage 1 der BArtSchV besonders geschützt. Zuwiderhandlungen können nach §69 BNatSchG mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Schritt 4 — Ausnahmen beantragen. Wenn das Nest an einem Standort liegt, der eine unzumutbare Beeinträchtigung darstellt, kann bei der unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung für die Umsiedlung beantragt werden. Einfache Lästigkeit oder Unbehagen genügen nicht als Genehmigungsgrund. Ab November — nach dem Erlöschen der Kolonie — kann das leere Nest ohne Genehmigung entfernt werden.

Wie kann man Hummeln fördern?

Hummeln benötigen blütenreiche Flächen von Februar bis Oktober. Geeignete Pflanzen sind Borretsch, Phacelia, Rotklee und Lavendel. Nisthilfen aus Blumentöpfen mit Moos erhöhen die Ansiedelungswahrscheinlichkeit für Erdhummeln messbar.

Die wichtigste Einzelmaßnahme für Hummeln im Garten ist ein lückenloses Blütenangebot über die gesamte Saison. Frühblüher (Februar–April): Weide (Salix), Krokus, Lungenkraut (Pulmonaria), Blaustern. Hochsommerblüher (Mai–August): Borretsch, Phacelia, Rotklee (Trifolium pratense), Lavendel, Katzenminze, Natternkopf. Spätblüher (September–Oktober): Herbst-Astern, Goldrute (Solidago), Efeu.

Wildblumenstreifen mit heimischen Arten sind Zierblumenmischungen vorzuziehen: Gefüllte Blüten sowie viele Hybridzüchtungen bieten keinen Pollenzugang. Einfachblütige, ungefüllte Sorten sind erkennbar an den sichtbaren Staubblättern.

Nisthilfen für Erdhummeln: Ein umgekehrter Blumentopf (Durchmesser 20 cm) mit einem 2 cm großen Eingang, gefüllt mit trockenem Moos, an einem halbschattigen, trockenen Standort aufgestellt, wird von suchenden Königinnen im Frühjahr regelmäßig als Neststandort akzeptiert. Alternativ: Nistkästen aus unbehandeltem Holz mit Bodeneinstieg, erhältlich über NABU-Gruppen oder den Naturschutzfachhandel.

Pestizide — insbesondere systemische Insektizide und Fungizide — sind im Hummelumfeld zu vermeiden. Auch Mittel, die als „bienenverträglich” gekennzeichnet sind, können für Hummeln schädlich sein, da die Zulassungsprüfung primär auf Apis mellifera ausgerichtet ist. Weitere Informationen: NABU — Hummeln schützen.

Quellen