Haben alle Hummeln einen Stachel?
Nein. Nur weibliche Hummeln — Königinnen und Arbeiterinnen — besitzen einen Stachel. Männliche Hummeln (Drohnen) haben keinen Stachel und können nicht stechen.
Da männliche Hummeln in der Hochsaison häufig anzutreffen sind und sich auffällig verhalten (z. B. beim Revierkampf), entsteht der irrtümliche Eindruck, aggressive Hummeln würden stechen. Tatsächlich handelt es sich dabei meist um Drohnen, die gar keinen Stachel besitzen.
Der Stachel der Hummel ist glatt und hat — anders als der Stachel der Honigbiene — keinen Widerhaken. Eine Hummel kann daher theoretisch mehrfach hintereinander stechen, ohne ihren Stachel zu verlieren. In der Praxis geschieht das aber so gut wie nie, da Hummeln sehr zurückhaltend sind.
| Stachelbesitz | Nur Weibchen (Königin und Arbeiterin) |
| Schmerzniveau | Schwach — kein Widerhaken im Stachel |
| Allergierisiko | Sehr gering — seltener als bei Bienen oder Wespen |
| Stichauslöser | Fast ausschließlich direkte Nestbedrohung |
Wie schmerzhaft ist ein Hummelstich?
Ein Hummelstich ist deutlich schwächer als ein Bienen- oder Wespenstich. Der Stachel hat keinen Widerhaken und bleibt nicht in der Haut. Die empfundene Schmerzintensität gilt allgemein als gering.
Das Gift der Hummel enthält ähnliche Wirkstoffe wie das Gift anderer Hautflügler — Melittin, Histamin und Phospholipase. Die Menge des injizierten Gifts ist jedoch gering, und die Zusammensetzung erzeugt keine starke lokale Entzündungsreaktion. Bei nicht-allergischen Personen klingt der Stich innerhalb von 30 bis 60 Minuten ab.
Auf der Schmidt-Stechschmerz-Skala, die verschiedene Insektenstiche nach ihrer Schmerzintensität klassifiziert, werden Hummelstiche als mild eingestuft — deutlich unterhalb von Wespen- oder Bienenstichen.
Wann stechen Hummeln?
Hummeln stechen nur bei unmittelbarer Bedrohung des Nestes oder wenn sie eingequetscht werden. Bei der Nahrungssuche auf Blüten stechen Hummeln so gut wie nie — selbst wenn man sie in die Hand nimmt.
In der freien Natur kommen Hummelstiche fast ausschließlich vor, wenn eine Person versehentlich auf eine Hummel tritt oder eine Hummel unter einem Kleidungsstück eingesperrt wird. Wer ruhig bleibt und eine Hummel einfach weiterfliegen lässt, riskiert keinen Stich.
Bei einer Bedrohung des Nestes können Hummelkolonien durchaus kollektiv reagieren. Das Nest zu öffnen oder stark zu erschüttern sollte daher vermieden werden. Im normalen Gartenalltag stellen Hummeln jedoch auch in Nestnähe keine Gefahr dar.
Was tun bei einem Hummelstich?
Stachel entfernen (wenn noch vorhanden), Stelle kühlen und 30 Minuten beobachten. Bei Atemnot, Schwindel oder Ausschlag über den Stichbereich hinaus sofort den Notruf 112 wählen — auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Allergie gering ist.
Zur Erstversorgung: Den Stachel möglichst mit einer Kreditkarte oder einem Fingernagel seitlich herausschieben — nicht mit einer Pinzette quetschen, da dies Gift in die Wunde drücken kann. Anschließend die Stelle für 10 bis 15 Minuten mit einem Kühlpack oder in ein Tuch gewickelten Eiswürfeln kühlen.
Da eine Hummelgiftallergie seltener vorkommt als eine Bienen- oder Wespengiftallergie, tragen die meisten Menschen kein Notfallset für Hummelstiche mit sich. Wer jedoch weiß, dass er auf Insektengift reagiert, sollte grundsätzlich ein Adrenalin-Autoinjektor-Set mitführen.