Was sind Wespen?
Wespen (Vespulidae) sind soziale Hautflügler mit schwarz-gelber Warnfärbung. In Deutschland kommen 9 soziale Wespenarten vor. Die häufigsten sind die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Beide Arten bauen Papiernester aus zerkautem Holz.
| Ordnung | Hautflügler (Hymenoptera) |
|---|---|
| Familie | Faltenwespen (Vespidae) |
| Häufigste Art (DE) | Vespula vulgaris, Vespula germanica |
| Körperlänge Königin | 18–20 mm |
| Körperlänge Arbeiterin | 11–15 mm |
| Koloniegröße | 3.000–10.000 Tiere (August–September) |
| Nestmaterial | Zerkautem Holzfasern + Speichel |
| Aktive Saison | April–Oktober |
| Schutzstatus | Nicht streng geschützt (nur §39 BNatSchG Grundschutz) |
| Lebensdauer Königin | 1 Jahr |
Die schwarz-gelbe Warnfärbung beider Arten ist eine Form des Aposematismus: Sie signalisiert Fressfeinden die Fähigkeit zu stechen. Vespula vulgaris trägt auf dem ersten Hinterleibssegment ein charakteristisches ankerfömiges schwarzes Muster; bei Vespula germanica sind es drei schwarze Punkte. Dieses Merkmal ermöglicht die Unterscheidung beider Arten im Feld.
Wespen sind eusoziale Insekten mit drei Kasten: Königin (Reproduktion), Arbeiterinnen (Nestbau, Jagd, Brutpflege) und Drohnen (Paarung im Herbst). Die Kolonie ist einjährig — nur neue Königinnen überwintern, die Kolonie selbst stirbt nach dem ersten Frost vollständig ab.
Quellen: NABU — Wespen, Bundesamt für Naturschutz.
Welchen Nutzen haben Wespen?
Wespen regulieren Insektenpopulationen als Prädatoren. Eine Wespenkolonie vernichtet täglich 200–500 g Insekten — darunter Blattläuse, Raupen und Fliegen. Ohne Wespen würden Schädlingspopulationen in der Landwirtschaft unkontrolliert wachsen.
Die Jagdleistung einer Kolonie ist quantitativ erheblich: Bei einer Koloniegröße von 5.000 Tieren und einem Tagesbedarf von 50–100 mg Insektenbiomasse pro Arbeiterin ergibt sich ein Konsumvolumen von bis zu 500 g täglich. Dieser Wert steigt auf dem Saisonhöchststand im August, wenn die Kolonie ihre maximale Größe erreicht und gleichzeitig den Nachwuchs von Geschlechtstieren vorbereitet.
Als Beutespektrum dominieren Diptera (Fliegen, Schmeißfliegen, Stechmücken), gefolgt von Lepidoptera-Raupen, Blattläusen und anderen Kleinstinsekten. Der wirtschaftliche Wert der Schädlingskontrolle durch Vespula-Arten in der Landwirtschaft ist dokumentiert, aber kaum monetär erfasst.
Bestäubungsleistung: Wespen besuchen Blüten zur Nektaraufnahme und übertragen dabei Pollen. Die Bestäubungseffizienz ist geringer als bei Bienen, da Wespen kaum Körperbehaarung besitzen, die Pollen festhält. Bei einigen Feigenarten (Ficus) sind Wespen jedoch der einzige Bestäuber.
Quellen: NABU — Wespen als Nützlinge, Bundesamt für Naturschutz.
Wie unterscheiden sich Wespen von Hornissen?
Hornissen (Vespa crabro) sind deutlich größer als Gemeine Wespen: Arbeiterinnen messen 18–24 mm gegenüber 11–15 mm. Hornissen zeigen rotbraun-gelbe Färbung statt leuchtendem Schwarz-Gelb und sind nach §44 BNatSchG streng geschützt — Wespen nur nach §39 BNatSchG.
| Merkmal | Gemeine Wespe | Hornisse |
|---|---|---|
| Körperlänge Arbeiterin | 11–15 mm | 18–24 mm |
| Körperlänge Königin | 18–20 mm | 25–35 mm |
| Färbung | Leuchtendes Gelb-Schwarz | Rotbraun-Gelb |
| Koloniegröße | bis 10.000 | bis 800 |
| Aktivität nachts | Nein | Ja |
| Schutzstatus | §39 BNatSchG | §44 BNatSchG (streng) |
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Nestmaterial: Hornissen verwenden verwittertes Holz von Baumstümpfen und erzeugen damit einen helleren, grobkörnigeren Karton. Wespennester von Vespula-Arten zeigen eine gleichmäßige grau-braune Oberflächenstruktur. Hornissennester haben außerdem eine charakteristische Hülle mit wellenförmigem Muster.
Wo bauen Wespen ihre Nester?
Vespula vulgaris baut Nester bevorzugt unterirdisch in Mäuse- oder Maulwurfsgängen. Vespula germanica nutzt Dachstühle, Rollladenkästen und Hohlräume. Der Nestdurchmesser erreicht bis zu 50 cm bei maximalem Wachstum im August.
Die Königin beginnt im April mit dem Nestbau — allein, ohne Arbeiterinnen. Sie schabt Holzfasern von verwitterten Oberflächen ab, durchfeuchtet das Material mit Speichel und verarbeitet es zu einer stabilen Papiermasse. Die ersten Zellen bilden eine kleine Wabe, die von einer Hülle umschlossen wird. Erst nach dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen (ca. 30 Tage nach Nestbeginn) wird die Expansion beschleunigt.
Ein ausgewachsenes Nest im August enthält 10–20 Waben mit insgesamt 5.000–15.000 Brutzellen, eingehüllt in mehrere Lagen Papierhülle. Die Hülle isoliert thermisch und schützt vor Feuchtigkeit. Die Innentemperatur des Nestes beträgt konstant 30–35 °C — unabhängig von der Außentemperatur.
Neststandorte nach Häufigkeit: Unterirdische Hohlräume (bevorzugt bei Vespula vulgaris), Dachbodenraum und Zwischenwände (bevorzugt bei Vespula germanica), seltener in Büschen oder unter Dachvorsprüngen. Das Nest wird nach dem Ende der Saison nicht wiederverwendet.
Sind Wespen gefährlich?
Wespen stechen bei direkter körperlicher Bedrohung oder beim Zerquetschen. Anders als Hornissen verteidigen Wespen auch außerhalb des Nestes bei Störung der Futtersuche. Allergiker mit bekannter Hymenoptera-Allergie tragen ein erhöhtes Risiko.
Der Wespenstich injiziert 2–3 Mikroliter Gift. Das Gift enthält Phospholipase A1, Hyaluronidase, Serotonin und biogene Amine. Die Sofortreaktion beim Nichtallergiker ist lokale Rötung, Schwellung und Schmerz über 1–24 Stunden. Stiche im Mund- und Rachenbereich können durch Schwellung zu Atemwegsobstruktion führen — in diesen Fällen sofort Notarzt rufen.
Hymenoptera-Allergie betrifft ca. 3 % der deutschen Bevölkerung. Eine Allergie gegen Wespengift und eine gegen Bienengift sind überwiegend nicht kreuzreaktiv — Wespengiftallergiker reagieren nicht zwingend auf Bienenstiche und umgekehrt. Eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) gegen Wespengift ist hochwirksam und reduziert das Risiko einer Anaphylaxie dauerhaft.
Verhaltenstipps bei Wespen in der Nähe: Keine ruckartigen Bewegungen, keine süßen Speisen ungedeckt lassen, nicht in Bierbechern oder Flaschen trinken ohne vorheriges Nachsehen. Wespen werden durch Süßes und Eiweißgerüche angezogen — besonders im Spätsommer, wenn die natürliche Insektenbeute abnimmt.
Was tun bei einem Wespennest?
Ein Wespennest im Außenbereich erfordert keine Maßnahme — die Kolonie stirbt nach dem ersten Frost vollständig ab. Bei Nestern in bewohnten Innenräumen ist eine Umsiedlung durch einen Fachbetrieb möglich. Das Nest nicht mit Wasser, Feuer oder Insektiziden bekämpfen.
Schritt 1 — Situation bewerten. Nest im Garten, unter einem Dachvorsprung oder in einer ungenutzten Ecke: keine Maßnahme erforderlich. Die Kolonie ist von Oktober an erloschen. Nest im direkten Durchgangsbereich, in Kinderzimmernähe oder bei bekannter Hymenoptera-Allergie im Haushalt: Fachbetrieb kontaktieren.
Schritt 2 — Nicht-Eingreifen-Maßnahmen. Den Bereich um den Nesteingang (mind. 1 m) meiden. Erschütterungen, Zugluft oder direkte Beleuchtung des Nestes vermeiden. Keine haushaltsüblichen Insektizide — diese töten einzelne Tiere, reizen die Kolonie und lösen das Problem nicht.
Schritt 3 — Umsiedlung durch Fachbetrieb. Professionelle Schädlingsbekämpfer können aktive Nester entfernen oder ummanteln. Bei Vespula-Arten ist keine behördliche Genehmigung erforderlich — der Grundschutz nach §39 BNatSchG schützt Nester nicht vor Entfernung, wenn eine unzumutbare Belästigung vorliegt. Dennoch: Umsiedlung ist schonender als Vernichtung.
Was keinesfalls tun: Nest mit kochendem Wasser übergießen — das tötet Tiere quälend und reizt sofort den gesamten Schwarm. Nest mit Feuer behandeln — Brandgefahr. Eingang mit Schaum oder Tapetenkleister verstopfen — die Kolonie gräbt sich einen neuen Ausgang, oft ins Hausinnere.
Nach dem ersten Frost ist das leere Nest ohne Genehmigung entfernbar. Es wird nicht wiederverwendet — eine Entfernung im Herbst verhindert jedoch, dass die Hohlraumstruktur im Folgejahr erneut als Nistplatz dient.
Welche Wespenarten gibt es in Deutschland?
In Deutschland leben 9 soziale Wespenarten aus der Familie Vespidae. Häufig sind Vespula vulgaris, Vespula germanica und Dolichovespula media. Die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) und die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) bauen freiliegende Luftnester an Ästen.
Die Gattung Vespula umfasst Bodenbrüter und Hohlraumbrüter: neben V. vulgaris und V. germanica auch die Rote Wespe (Vespula rufa) und die Waldwespe (Vespula sylvestris). Letztere baut unterirdische Nester in bewaldeten Randgebieten und ist deutlich seltener als die beiden Häufigsten.
Die Gattung Dolichovespula baut freihängende Luftnester: kugelförmige oder ovale Papiernester an Ästen, unter Dachvorsprüngen oder in Hecken. Dolichovespula media (Mittlere Wespe) ist die größte Art dieser Gattung in Deutschland — Königinnen erreichen bis zu 22 mm. Dolichovespula saxonica baut besonders kompakte Nester mit grob strukturierter Außenhülle.
Die Europäische Feldwespe (Polistes dominula) gehört ebenfalls zur Familie Vespidae, lebt aber in kleinen Kolonien von 20–200 Tieren ohne geschlossene Nesthülle. Ihre offenen, wabenartige Nester sind leicht erkennbar und an Steinen, Holz oder Metallträgern befestigt.
Quellen
- Gesetze im Internet: §44 BNatSchG — Vorschriften für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Artensteckbriefe — Soziale Wespenarten
- NABU — Naturschutzbund Deutschland: Wespen — Nützliche Insekten mit schlechtem Ruf
- Witt, R. (2009): Wespen: beobachten, bestimmen. 2. Auflage. Naturbuch-Verlag.