| Wissenschaftlicher Name | Vespa velutina nigrithorax |
|---|---|
| Familie | Vespidae |
| Körperlänge Arbeiterin | 17–20 mm · Königin bis 30 mm |
| Hinterleib | Überwiegend dunkel (schwarzbraun), 4. Segment gelb-orange |
| Beinspitzen | Gelb-orange (Hauptunterscheidungsmerkmal) |
| Koloniegröße | Bis 6.000 Individuen (größer als Vespa crabro) |
| Nistplatz | Freihängende Nester 5–20 m Höhe, oft in Bäumen |
| Hauptbeute | Honigbienen (Apis mellifera) |
| Herkunft | Südostasien, eingeschleppt Frankreich 2004 |
| Schutzstatus | Invasive Art, EU-Verordnung 1143/2014, Meldepflicht |
Was ist die Asiatische Hornisse?
Vespa velutina nigrithorax ist eine aus Südostasien stammende Hornissenart, die 2004 mit Warentransporten nach Bordeaux (Frankreich) eingeschleppt wurde. Von dort breitet sie sich mit durchschnittlich 80 km pro Jahr nordwärts aus.
Das Ursprungsgebiet von Vespa velutina liegt in China, Nordindien, Myanmar und Indochina. Die Unterart nigrithorax dominiert die europäische Invasionslinie. In Frankreich wurden 2004 die ersten Nester in der Gironde-Region entdeckt. Bis 2010 hatte die Art weite Teile Südwestfrankreichs besiedelt.
In Deutschland wurden ab ca. 2014 erste gesicherte Nester dokumentiert, zunächst im Saarland und in der Pfalz, nahe der französischen Grenze. Die Ausbreitung folgt dem Rheintal nordwärts. Die Art ist seit ihrer Aufnahme in die Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten (2016, aktualisiert 2022) meldepflichtig.
Wie erkenne ich die Asiatische Hornisse?
Das sicherste Erkennungsmerkmal von Vespa velutina sind die gelb-orangen Beinspitzen und der überwiegend schwarzbraune Hinterleib mit nur einem gelb-orangen Segment (4. Tergit). Vespa crabro hat dagegen einen überwiegend gelb-gezeichneten Hinterleib.
Die Arbeiterin misst 17–20 mm, die Königin bis 30 mm. Beide Geschlechter zeigen dasselbe Farbmuster. Der Thorax ist vollständig schwarz (daher der Unterartname nigrithorax). Das Gesicht zeigt eine gelb-orange Zeichnung.
Verwechslungen mit Vespa crabro (Europäische Hornisse) sind häufig. Die folgende Tabelle listet die entscheidenden Unterscheidungsmerkmale:
| Merkmal | Vespa velutina | Vespa crabro |
|---|---|---|
| Körperlänge Arbeiterin | 17–20 mm | 25–35 mm |
| Hinterleib Grundfarbe | Schwarzbraun (überwiegend) | Gelb-braun (überwiegend) |
| Hinterleib-Zeichnung | Nur 4. Segment gelb-orange | Mehrere Segmente mit gelber Zeichnung |
| Beinspitzen | Gelb-orange (diagnostisch) | Braun bis gelblich |
| Thorax | Vollständig schwarz | Rotbraun mit schwarzer Zeichnung |
| Gesicht | Gelb-orange | Gelb mit roter Zeichnung |
| Neststandort | Freihängend, 5–20 m Höhe | Hohlräume (Bäume, Gebäude) |
| Koloniegröße | Bis 6.000 Individuen | Bis 700 Individuen |
Warum ist die Asiatische Hornisse ein Problem?
Vespa velutina jagt bevorzugt Honigbienen (Apis mellifera) direkt vor Bienenstöcken. Eine einzige Hornisse kann täglich 25–50 Bienen erbeuten. Befallene Völker zeigen Stressverhalten, reduzieren den Flugbetrieb und verlieren Wintervorräte.
Die Jagdstrategie unterscheidet sich von heimischen Prädatoren: Vespa velutina hovern vor dem Flugloch und greifen einzelne Bienen im Flug ab (sogenanntes “hawking”). Bei starkem Befall stellen Bienenvölker den Ausflug ein, was zur Unterernährung und zum Verlust des Volkes führt.
Für Menschen ist Vespa velutina nicht gefährlicher als Vespa crabro. Das Gift ist vergleichbar zusammengesetzt. Stiche erfolgen nur bei direkter Bedrohung des Nestes. Die Gefährlichkeit betrifft primär die Imkerei und das Ökosystem, nicht die menschliche Gesundheit.
Die rechtliche Grundlage für Managementmaßnahmen bildet die EU-Verordnung 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten. Vespa velutina wurde 2016 in die Unionsliste aufgenommen. Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Frühwarnsysteme, Überwachungsprogramme und Beseitigungsmaßnahmen einzurichten.
Wie hat sich die Asiatische Hornisse in Deutschland ausgebreitet?
Vespa velutina erreichte Deutschland nach einer Ausbreitung von Frankreich (2004) über Spanien, Portugal, Belgien und die Niederlande ab ca. 2014. Der Schwerpunkt liegt im Südwesten. Das Vordringen nach Norden — auch Richtung Braunschweig — ist dokumentiert.
Die Ausbreitungsroute verlief entlang der atlantischen Küste und dem Rheintal. Folgende Etappen sind dokumentiert:
- 2004: Erstnachweis Frankreich (Lot-et-Garonne, Gironde)
- 2010: Spanien und Portugal
- 2011: Belgien
- 2016: Niederlande
- 2014–2017: Deutschland (Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg)
- Ab 2020: zunehmend in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern
In der Region Braunschweig und Niedersachsen sind bisher vereinzelte Sichtungen gemeldet worden. Der Klimawandel begünstigt das weitere Vordringen nach Norden: Vespa velutina benötigt Sommertemperaturen über 20 °C für erfolgreiche Brutzyklen, die in Niedersachsen zunehmend erreicht werden.
Modellrechnungen des Senckenberg-Instituts prognostizieren bis 2050 eine vollständige Besiedlung aller deutschen Bundesländer bei ungebremstem Klimawandel.
Was muss ich tun, wenn ich eine Asiatische Hornisse sehe?
Sichtungen von Vespa velutina sind in Deutschland meldepflichtig. Meldungen erfolgen über die NABU-App “NABU-naturgucker”, die Neobiota-Meldeplattform oder die lokale Naturschutzbehörde. Keine eigenständige Bekämpfung ohne behördliche Genehmigung.
Konkrete Meldewege:
- NABU-App “NABU-naturgucker” (iOS und Android): Foto hochladen, Standort angeben, Art auswählen
- Neobiota-Meldeplattform des Bundesamts für Naturschutz: meldeportal-neobiota.de
- Lokale untere Naturschutzbehörde (in Braunschweig: Fachbereich Stadtgrün und Sport)
- NABU-Landesverbände: Entgegennahme von Fotomeldungen per E-Mail
Bei einer Meldung sind folgende Angaben wichtig: genauer Standort (GPS-Koordinaten oder Adresse), Datum, Uhrzeit, Foto aus sicherem Abstand, Anzahl gesichteter Tiere, etwaige Nestposition.
Eigenständige Bekämpfungsmaßnahmen — einschließlich des Aufstellens von Fallen — erfordern eine Genehmigung der Naturschutzbehörde, da unsachgemäße Fallen auch geschützte einheimische Insekten töten können.
Wie sieht das Nest der Asiatischen Hornisse aus?
Das Nest von Vespa velutina hängt frei in Bäumen oder an Gebäudestrukturen in 5–20 m Höhe. Es ist kugelförmig mit seitlichem Eingang und erreicht bis zu 80 cm Durchmesser. Der Standort unterscheidet es klar von Vespa crabro.
Die Hülle besteht aus zerkautem Holzmaterial, ähnlich wie beim Europäischen Hornissennest, ist jedoch papierartig dünn und grau-beige. Die Außenstruktur zeigt charakteristische horizontal verlaufende Wülste.
Im Frühling beginnt die Königin mit dem Erstling-Nest (Primärnest), das zunächst klein und birnenförmig ist und oft in geschützten, niedrig gelegenen Bereichen angelegt wird. Ab Mitte des Jahres wird ein größeres Sekundärnest in größerer Höhe gebaut.
Vespa crabro bevorzugt dagegen Hohlräume: Baumhöhlen, Rollladenkästen, Dachböden oder Schuppen. Ein frei hängendes, großes Nest in einem Baum ist damit ein starkes Indiz für Vespa velutina — besonders wenn die Hornissen beim Beobachten der anfliegenden Tiere kleine Beutetiere transportieren.
Darf man ein Nest der Asiatischen Hornisse entfernen?
Als invasive Art unter EU-Verordnung 1143/2014 sind Bekämpfungsmaßnahmen gegen Vespa velutina erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Die Entfernung muss durch Fachkundige erfolgen. Eigenständige Eingriffe sind nicht empfohlen.
Der rechtliche Rahmen unterscheidet Vespa velutina klar von der heimischen Vespa crabro: Während die Europäische Hornisse nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt ist und Nestentfernungen einer Ausnahmegenehmigung bedürfen, besteht für Vespa velutina aufgrund ihres Status als invasive Art keine Schutzpflicht — im Gegenteil ist Managementmaßnahmen der Vorzug zu geben.
Zuständig für die Koordination ist in Niedersachsen das NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz). Die Entfernung erfolgt typischerweise nachts, wenn alle Tiere im Nest sind, durch fachkundige Kammerjäger oder Imker mit entsprechender Ausrüstung.
Stichrisiko: Ein Nest mit 2.000–6.000 Individuen stellt ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Schutzanzug, Raucheinsatz und Kenntnisse über das Aggressionsverhalten sind Mindestvoraussetzungen. Privatpersonen ohne Erfahrung sollten Fachbetriebe oder die Feuerwehr kontaktieren.
Quellen
- EU-Verordnung 1143/2014: Verordnung über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Neobiota in Deutschland — Vespa velutina nigrithorax
- NABU — Naturschutzbund Deutschland: Asiatische Hornisse: Erkennung und Meldung
- Monceau, K. et al. (2014): Vespa velutina: a new invasive predator of honeybees in Europe. — Journal of Pest Science 87(1).